Institut für Kunstgeschichte (IKG)

Geschichte

Das Institut für Kunstgeschichte gehört zu den ältesten kunsthistorischen Instituten an einer deutschen Technischen Hochschule.

Die Geschichte des Instituts für Kunstgeschichte

 Das 1865 begründete Institut für Kunstgeschichte gehört zu den ältesten kunsthistorischen Instituten an einer deutschen Technischen Hochschule. Die Gründung war dem Gedanken der Einheit von technischer und ästhetisch-künstlerischer Kultur verpflichtet. Wilhelm Lübke war der erste Lehrstuhlinhaber. Seine Ausstrahlung auf das deutsche Bürgertum war gewaltig. Sein "Grundriß der Kunstgeschichte" gehörte damals in den besseren bürgerlichen Bücherschrank. Er sah seine Aufgabe in der Vermittlung des, wie er sagte, Ewiggültigen und wahrhaft Schönen. Er war dabei ein glühender Anwalt der Renaissance, zugleich aber auch – von nationalem Gefühl geprägt – der mittelalterlichen Architektur. Sozialen und politischen Problemen sowie ihrem künstlerischen Ausdruck verschloss er sich. Gegen die zeitgenössischen realistischen Strömungen des "moralisch und physisch Häßlichen" wendete er sich erklärtermaßen: "In welchen Sumpf gelangen wir damit". Er forderte "ideales Schaffen" gegen "stets plebejischer werdende Geistesrichtung".

Schon sein Nachfolger Carl Lemcke war ein Verfechter des Realismus, nicht nur der niederländischen Malerei, sondern als zeitweiliger Direktor auch des Museums der Bildenden Künste, Vorgängers der heutigen Staatsgalerie, auch der damals zeitgenössischen Kunst. Er war der erste, der Bilder von Christian Landenberger und anderen ankaufte.

Auf Lemcke folgte 1904 der Gemäldekenner Heinrich Weizsäcker. Weizsäcker stand der zeitgenössischen Kunst sehr aufgeschlossen gegenüber. 1913 schrieb er schon in der "Stuttgarter Kunst der Gegenwart" von der Auflösung des Realismus und (?) der Geburt des Impressionismus und trug ein Kapitel über Adolf Hölzel und die Gesetzmäßigkeit der Farben und Formen bei. Er betonte die Flächenaufteilung und ihren Bezug zur dekorativen Wandmalerei.

 

Grundlegende Forschung zur zeitgenössischen Kunst wurde dann von Julius Baum und Hans Hildebrandt, betrieben, die sich beide unter Weizäcker habiliert haben und zu außerordentlichen Professoren ernannt wurden.

Julius Baum schrieb damals bereits über die Hölzelschule, über Willy Baumeister und Ida Kerkovius. Auf internationale Höhe hob sich die Kunstgeschichte in Stuttgart durch Baums grundlegendes Werk zur Malerei und Plastik des Mittelalters in Deutschland, Frankreich und Britannien. Hans Hildebrandt trug seinerseits zum Namen der Universität Stuttgart bei. Er übersetzte 1926 als erster die Werke Le Corbusiers "Vers une architecture". "Die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts", 1931 als Handbuch der Kunstwissenschaft erschienen, ist noch heute grundlegend, ganz besonders für die Schneisen, die es in die Architektur der zwanziger Jahre schlug.

Unter dem Nationalsozialismus wurden Baum und Hildebrandt aus ihren Ämtern vertrieben. Julius Baum brachte Wochen im KZ Welzheim zu, bevor er emigrierte. Beide aber nahmen dennoch nach 1945 ihre Lehre in Stuttgart noch einmal wieder auf, Baum war zwischen 1947 und 1952 Direktor des Württembergischen Landesmuseums.

1935 und damit in der Zeit des Nationalsozialismus wurde Otto Schmitt aus Greifswald nach Stuttgart berufen. Er war in die Planungen zu einem groß angelegten, interdisziplinären Forschungsprojekt des Reichswissenschaftsministeriums einbezogen, das von der sog. „Arbeitsgemeinschaft für den Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften“ geplant wurde. Er sollte in der Sparte „Ausstrahlung der deutschen Kunst“ die Teilprojekte „Frankreich“ und „Burgund“ leiten, wozu es jedoch nicht kam. Bedeutend ist seine Arbeit als Herausgeber des Reallexikons zur Deutschen Kunstgeschichte. In seiner Forschung hat er Wesentliches zur Kenntnis der mittelalterlichen Plastik im Südwesten beigetragen. Nach dem Kriege wurde er der zweite Rektor der Universität Stuttgart.

 

Nach Schmitts plötzlichem Tod 1951 vertrat Dagobert Frey den Lehrstuhl eineinhalb Jahre lang. Als Ordinarius für Kunstgeschichte in Breslau von 1931 bis 1945 war Frey unter anderem auch als wissenschaftlicher Berater beim Kunstraub im besetzten Polen tätig. Im Rahmen des bereits erwähnten Kriegseinsatzes der Geisteswissenschaften unterstützte er zusammen mit Karl Swoboda, Leo Bruhns oder Wilhelm Pinder eine Schriftenreihe zu den „Sonderleistungen der deutschen Kunst“. Gleichzeitig verfolgte er kunsttheoretische und methodisch-konzeptionelle Fragestellungen in Schriften wie den Kunsthistorischen Grundfragen (1946).



1953 übernahm Schmitts langjähriger Mitarbeiter Hans Wentzel den Lehrstuhl. International war er durch seine Arbeiten über mittelalterliche Glasmalerei ausgewiesen. Er war wesentlicher Mitbegründer des "Corpus Vitrearum Medii Aevi". In seiner Ära strebte die Hochschule mit dem massiven Ausbau der Geisteswissenschaften die Ernennung zur Universität Stuttgart an, was im Jahr 1967 auch gelang. Für die Kunstgeschichte hatte dies positive Folgen, da das Institut um eine zweite Professur erweitert wurde, die Werner Sumowski innehatte.

Unter Herwarth Röttgens Institutsleitung ab 1977 erweiterte sich der personelle Bestand. Als Professoren lehrten nun zeitweise auch Heinrich Dilly und Johannes Zahlten. 1994 kam Reinhard Steiner als Nachfolger Sumowskis ans Institut. Röttgen prägte die Lehre am Institut durch seine zahlreichen Studien zur deutschen Spätgotik, zum Barock, Historismus und insbesondere zur italienischen Kunst, zu nennen sind seine grundlegenden Untersuchungen zu Giuseppe Cesari und Caravaggio. Als mehrjähriger Vorsitzender des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker vertrat er zeitweilig die Interessen des ganzen Faches von Stuttgart aus.

Beat Wyss leitete das Institut zwischen 1997 und 2004 und baute die am Stuttgarter Institut traditionelle Aufmerksamkeit für zeitgenössische Kunstströmungen weiter aus. Nach seiner Berufung auf die Nachfolge von Hans Belting an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe hatte von 2006 bis 2008 Magdalena Bushart die Institutsleitung inne, die mit Schriften zur deutschen Kunst um 1500 und zum Expressionismus in Erscheinung trat. Reinhard Steiner sicherte als kommissarischer Leiter die Kontinuität des Instituts zwischen 2004 und 2006 und dann erneut von 2008 bis 2015 und setzte sowohl im Bereich der Vormoderne wie der Moderne wichtige Akzente, unter anderem mit seinen Arbeiten zu Leonardo, Egon Schiele oder dem Prometheus-Thema. Seit 2015 verfügt das Institut wieder über zwei Professuren, nun mit den Denominationen Kunstgeschichte der Vormoderne und der Moderne ein. Berufen wurden Daniela Bohde für die Vormoderne, die zudem die Institutsleitung innehat, und Kerstin Thomas für die Moderne.

 

Vgl. ausführlicher H. Röttgen: Nachvollziehende Gedanken zur Geschichte des Instituts für Kunstgeschichte, in: 125 Jahre Institut für Kunstgeschichte, hrsg. von J. Zahlten, Reihe: Reden und Aufsätze, Bd.41, S. 28-42 sowie Reinhard Steiner, Marthe Kretzschmar und Christian Baudisch: Spuren. Bilder. Dokumente - 150 Jahre Institut für Kunstgeschichte, Stuttgart 2015