10.05.

10. Mai 2021

Ringvorlesung 'Nähe & Distanz, Kontakt & Isolation'

Philosophisch-Historische Fakultät der Universität Stuttgart

Zeit
10. Mai 2021
 
Die Vorlesungsreihe findet live über Webex statt und ermuntert Sie zum Nachfragen. Den Link finden Sie auf ILIAS. Falls Sie keinen Zugang zu ILIAS haben, melden Sie sich bitte per E-Mail bei ikg@ikg.uni-stuttgart.de an; Sie bekommen den Link dann zugeschickt. Aufzeichnungen der Vorträge (ohne Diskussionen) werden auf ILIAS zur Verfügung gestellt.

Nähe und Distanz, Kontakt und Isolation – diese Begriffe sowie die dazugehörigen Konzepte und Verhaltensformen haben in der Corona-Pandemie Konjunktur und betreffen uns alle. Der Diskurs darüber wird vor allem in der Virologie und der Politik geführt, dazu kommen Stimmen u. a. aus der Psychologie, Soziologie, Pädagogik und Wirtschaft. Die Geisteswissenschaften spielen in der öffentlichen Wahrnehmung dagegen bisher nur eine marginale Rolle. Dabei hat die Beschäftigung mit Nähe und Distanz, Kontakt und Isolation hier eine besonders lange Tradition. Wir verstehen die Ringvorlesung vor diesem Hintergrund als ein Angebot, der aktuellen Debatte historische Tiefenschärfe zu verleihen und einen interdisziplinären Reflexionsraum zu eröffnen, an dem sich Wissenschaftler:innen aus den Geschichts-, Literatur- und Kunstwissenschaften, aus Philosophie und Architektur beteiligen. Abgeschlossen wird die Reihe von Lesung und Gespräch mit der Schriftstellerin Felicitas Hoppe, einer Expertin für die literarische Nähe-Distanz-Regulierung und das Schreiben in der Isolation.

Konzeption: Daniela Bohde / Torsten Hoffmann

  • Der Vortragende am 10.05.21:
    Prof. Dr. Manuel Braun, Institut für Literaturwissenschaft der Uni Stuttgart


    Thema:

    „nie kunde ich ir naher komen“. Nähe und Distanz im Minnesang

     

    Dass die Partner in einer Liebesbeziehung ihre Wünsche nach Nähe und Distanz jeweils für sich be- und sie dann untereinander abstimmen müssen, ist ein Allgemeinplatz paartherapeutischer Diskurse. Letztere mögen spezifisch modern sein; das von ihnen verhandelte Problem ist es nicht. So bezieht schon der Minnesang des 12. und 13. Jahrhunderts seine Energie aus der Spannung zwischen Nähe und Distanz. In seinem Zentrum steht zunächst der Wunsch des Mannes, der Frau nah zu sein, doch artikuliert er auch die Angst vor dessen Erfüllung. Das Nähe-Verlangen kann an der Umworbenen oder an der Gesellschaft scheitern, und wenn ihm entsprochen wird, muss die Nähe bald der Distanz weichen. Die Vorlesung möchte diese unterschiedlichen Konfigurationen nicht auf eine psychische Realität abbilden, sondern sie als das Ergebnis einer Versuchsanordnung verstehen, die das Verhältnis von Nähe und Distanz in erotischen Beziehungen durchspielt und es auf diese Weise poetisch produktiv macht.

Link zum ILIAS Kurs  Link zum Flyer 

Caspar David Friedrich, Zwei Männer am Meer, 1817, Berlin, Alte Nationalgalerie
[Bild: Caspar David Friedrich, Public domain, via Wikimedia Commons]
Zum Seitenanfang