Resolution des Verbands Deutscher Kunsthistoriker zum Krieg gegen die Ukraine mit einem Spendenaufruf

26. März 2022 / https://kunsthistoriker.org

Seit dem 24. Februar 2022 findet vor unser aller Augen der Angriffskrieg Russlands auf den souveränen Nachbarstaat der Ukraine statt. In noch vor kurzem für uns unvorstell­barer Deutlichkeit und in kaum je zuvor gekannter Dimension wird der Bevölkerung der Ukraine unermessliches Leid zugefügt. Auch das reiche und vielfältige kulturelle Erbe des Landes wird durch das russische Militär gefährdet und zum Teil willentlich angegriffen und zerstört – in Kiew ebenso wie in Czernowitz, Charkiw, Lwiw, Mariupol, Odessa, Tschernihiw und an anderen Orten. Seit Wochen erleben wir in dramatischer Weise, wie unsere Kolle­ginnen und Kollegen nicht nur tagtäglich um ihr eigenes Leben fürchten müssen, sondern zugleich auch mit größter Tatkraft für die Bewahrung des so reichen kulturellen Erbes der Ukraine kämpfen, für den Erhalt der unersetzlichen Kirchen, Synagogen, Moscheen, Museen, Theater und Bibliotheken und der in diesen Gebäuden bewahrten wertvollen Sammlungen und Objekte.

Die russische Regierung und das russische Militär verursachen entsetzliches Leid und den Tod ungezählter Menschen in der Ukraine. Sie betreiben die unwiederbringliche Zerstörung des identitätsstiftenden kulturellen Erbes des Landes. Für die Zukunft der Ukraine in einer Zeit nach der kriegerischen Aggression wird es von erheblicher Bedeu­tung sein, dass an die vielfältige kulturelle Überlieferung angeknüpft werden kann. Alle Bemühungen müssen daher dem Anliegen gelten, Kulturgut in der Ukraine vor Beschädi­gung und Verlust zu schützen und zugleich dessen Bestand zu dokumentieren. Mit Blick auf die Zerstörungen, die mit dem deutschen Angriffskrieg auf die Sowjetunion ab 1941 auch in der Ukraine erfolgten, kommt der Bundesrepublik Deutschland dabei besondere Verantwortung zu.

Mit großem Nachdruck verurteilen wir den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Wir bestehen auf der Einhaltung der Haager Konvention von 1954 zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Zu deren Vorgeschichte hat der Russe Nicholas Roerich wich­tige Impulse gegeben. Auch die Sowjetunion, deren Rechtsnachfolger die Russische Föderation ist, hat diese unterzeichnet. Mit der Haager Konvention und deren zweitem Protokoll von 1999 sind die Zerstörung, der Diebstahl und die Plünderung von bewegli­chem und unbeweglichem Kulturgut in Kriegen unmissverständlich verboten. Verstöße gegen die Konvention sind auch strafrechtlich zu verfolgen.

Wir fordern die russische Regierung und das russische Militär dazu auf, das beweg­liche und unbewegliche Kulturgut der Ukraine zu schützen und alle Maßnahmen zu ergrei­fen, die dem Schutz dieses Kulturguts dienen. Wir appellieren an die russischen Vertreter der UNESCO, von ICOM und ICOMOS sowie an unsere russischen Kolleginnen und Kollegen in der Denkmalpflege, den Museen und in der kunsthistorischen Forschung und Lehre, bei den Verantwortlichen der russischen Regierung und des russischen Militärs auf den konsequenten und effektiven Schutz des Kulturguts und die Einhaltung der Haager Konvention hinzuwirken.

Wir fordern die deutsche Bundesregierung, die zuständigen Ministerien und den Bundestag dazu auf, den Schutz des ukrainischen Kulturgutes konsequent durchzusetzen. Das umfasst die Außenpolitik und Diplomatie ebenso wie rasche, konkrete und unbürokra­tische Hilfsmaßnahmen. Insbesondere die deutsche Kulturpolitik muss darauf hinwirken, dass Städte wie Kiew und Lwiw, die Monumente des UNESCO-Welterbes bewahren, aber auch Städte wie Czernowitz, aus der die deutschsprachigen, jüdischen Schriftsteller Paul Celan und Rose Ausländer stammen, finanzielle und fachliche Unterstützung erhalten, um sowohl das baukulturelle Erbe wie auch die Sammlungen der Museen, Archive und Biblio­theken in diesen Orten zu schützen.

Zugleich appellieren wir an die Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker in Deutschland, ihrer fachlichen Verantwortung gerecht werden. Als über 5000 Mitglieder zählender, größter Fachverband für Kunstgeschichte in Deutschland bieten wir unsere fachliche und materielle Unterstützung sowie unsere kollegialen Netzwerke an. So haben wir etwa durch die Lieferungen von Feuerlöschgerät und anderen Materialien zur Bewah­rung des baukulturellen Erbes und der Sammlungen beizutragen versucht. Wir bieten unsere Expertise und unsere Unterstützung bei der Dokumentation von Kulturgut und Kulturgutverlusten an, die nicht zuletzt der Beweissicherung bei der Verfolgung von Kriegsverbrechen dient. Unsere Solidarität gilt unseren Kolleginnen und Kollegen – sowohl denen, die aus ihrem Land fliehen mussten, als auch denjenigen, die bei ihren Monumenten und Sammlungen geblieben sind.

Die Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V.

Stuttgart, den 25. März 2022

Bedrohte Kunstschätze in der Ukraine: Spendenaufruf (vom 23.3.2022)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Verband Deutscher Kunsthistoriker und das Ortskomitee Stuttgart des XXXVI.  Deutscher Kunsthistorikertag verurteilen den kriegerischen Angriff auf die Ukraine und erklären unsere Solidarität mit den Opfern und Betroffenen des Angriffs, zu denen auch viele unserer dortigen Kolleginnen und Kollegen gehören. 

Wir schauen aber auch mit Bestürzung auf die Zerstörung von kulturellem Erbe, die nicht allein ein „Kollateralschaden“ der militärischen Aktionen ist, sondern offenbar zu den strategischen Zielen dieses Krieges gehört: ein klares völkerrechtliches Verbrechen.

Vor mehr als drei Wochen wurde eine digitale Gesprächsrunde initiiert, in der sich Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland und aus Polen mit Museumsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern in der Ukraine treffen, und erfahren, was jetzt in der Ukraine gebraucht wird. Es geht um Vernetzung, aber auch um konkrete Hilfe: und das betrifft vor allem zwei große Felder: Einerseits gilt es, möglichst viel und umfassend zu dokumentieren. Andererseits werden dringend Feuerlöscher und Verpackungsmaterialien benötigt, um Bauten und Objekte materiell zu bewahren.

Inzwischen hat sich ein Kreis um Matthias Müller, Aleksandra Lipinska, Anna Schultz, Ralph Gleis und Kilian Heck gebildet, der diese Hilfstransporte für die Ukraine koordiniert. Diese Hilfsaktivitäten wurden durch eine Vernetzung mit der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft ermöglicht und bedeuten, dass in Hilfstransporten nun auch Spezialfeuerlöscher und Brandschutzmaterial – was unter anderem mit Hilfe des Feuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz gelungen ist – beigeladen werden, um sie nach Lwiw/Lemberg zu bringen, von wo sie weiterverteilt werden. Weitere Hilfstransporte von solchem Material sind auch, diesmal von Berlin aus, nach Kiew/Kyjiw in Planung. 

Wir möchten alle Kolleginnen und Kollegen in Stuttgart einladen, zur Unterstützung dieser Hilfsmaßnahmen im Rahmen einer Spende beizutragen. Wenn jede/r von uns etwas spendet, wäre dieses bereits ein wichtiger Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes der Ukraine:

Deutsch-Ukrainische Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft e.V.
Schillerplatz 7 | 55116 Mainz

IBAN DE49 5519 0000 0653 9900 10
BIC MVBMDE55XXX

Kennwort Ukraine-Hilfe / Museen

(Wer für einen größeren Betrag ab 50 Euro eine Spendenquittung wünscht: bitte die Adresse eintragen)

 Spendenaufruf als PDF finden Sie hier

 

 

Resolution des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker zum Krieg gegen die Ukraine (85 KB)

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