Philipp Friedrich Hetsch, Porträt Caroline Notter mit ihrem Sohn Friedrich, 1802, Stadtarchiv Stuttgart ©

Neue Sensibilität um 1800

Kulturelle Verflechtungen einer Gesellschaft in Transformation: Philipp Friedrich Hetschs Porträtmalerei

Projektlaufzeit:

1.4.2026 – 30.3.2028

Projektleitung:
  • Prof. Dr. Kerstin Thomas
  • Dr. Bettina Kunz

Gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung

Kulturelle Verflechtungen einer Gesellschaft in Transformation: Philipp Friedrich Hetschs Porträtmalerei

Um 1800 war Philipp Friedrich Hetsch (1758–1838) ein weit bekannter und geschätzter Künstler. Er schuf Bilder von hoher Qualität und Originalität und unterhielt ein weitgespanntes Netz an Bekanntschaften zu intellektuellen und künstlerischen Persönlichkeiten in ganz Europa, wie Carl Ludwig Fernow, Johann Wolfgang von Goethe oder Friederike Brun. Er war ein Künstler, der mühelos zwischen Stuttgart, Paris und Rom wechselte und sich als Teil einer europäischen, kosmopolitisch orientierten Intellektuellengesellschaft auch selbstverständlich von den Werken zeitgenössischer Künstlerinnen wie Adélaïde Labille-Guiard, Élisabeth Vigée-Lebrun oder Angelika Kauffmann inspirieren ließ. Sein Werk zeugt von hoher Sensibilität und lässt sich nicht mit geläufigen Vorstellungen einer 'männlichen' Sturm- und Drangkunst vereinbaren, für die häufig Werke Jacques-Louis Davids oder Asmus Jacob Carstens' angeführt werden.

Das Projekt betrachtet Hetschs Wirken im Kontext internationaler Beziehungen einer sich grundlegend verändernden Gesellschaft um 1800. Der Fokus liegt dabei auf den Porträts des Künstlers. Sie zeigen – auch in den Augen seiner Zeitgenossen – die Erneuerung des künstlerischen Idioms einer im Findungsprozess begriffenen bürgerlichen Gesellschaft Europas besonders deutlich. Das Projekt erforscht dabei auch emotionshistorische Fragen nach der Bedeutung der Sensibilität in der Gefühlskultur der Aufklärung und genderspezifische Verhaltensnormen.

Durch die Sichtung zu großen Teilen noch unerschlossenen Quellenmaterials, eine differenzierte Untersuchung der Porträts sowie einen transdisziplinär angelegten Forschungsansatz wird Hetschs Schaffen vor einem Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich umspannenden künstlerischen Hintergrund analysiert. Das Projekt partizipiert so an dem regen Forschungsfeld zur europäischen Kultur des 18. und 19. Jahrhunderts und setzt hierfür entscheidende neue Impulse. Hetschs Werke, seine Kontakte, seine Aktionsräume und die daraus erwachsende Dimension kultureller Verflechtungen legen ein interessantes Zeugnis über die gesellschaftlichen, politischen, geistesgeschichtlichen und künstlerischen Transformationsprozesse ab, die zu seiner Zeit nicht nur den deutschsprachigen Raum, sondern ganz Europa erfassten.

Durch die Fragestellung nach Netzwerken und Akteuren, nach Bildaufgaben und Experimenten, nach Normen und Handlungsspielräumen, nach Geschlechterbildern und deren Überwindung, nach gesellschaftlichen Wandlungsprozessen und künstlerischer Karriere, zielt das Projekt über das Fach Kunstgeschichte hinaus, indem es ästhetische, literaturkritische, historische und soziologische Fragestellungen miteinander verbindet. Die Erforschung einer in transnationaler Perspektive erfassten Bewegung einer neuen Porträtkunst, die künstlerisch und inhaltlich in besonderer Weise von einem grenzüberschreitenden intellektuellen Austausch und damit der Erschaffung eines gemeinsamen europäischen Kulturraums zeugt, ist auch mit Blick auf die zunehmenden Anfeindungen des demokratischen Gesellschaftsprinzips und der Europäischen Gemeinschaft von besonderer Relevanz.

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Philipp Friedrich Hetsch, Porträt Caroline Notter mit ihrem Sohn Friedrich, 1802, Stadtarchiv Stuttgart
Dieses Bild zeigt Kerstin Thomas

Kerstin Thomas

Univ.-Prof. Dr.

Projektleitung

Dieses Bild zeigt Bettina Kunz

Bettina Kunz

Dr.

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